Warten auf das geplante Hospiz – »Bürgerdialog« über Palliativversorgung in Herford

»Bürgerdialog« über Palliativversorgung in Herford

Herford (Westfalen-Blatt / HK / Stefan Wolff). Der Umgang mit sterbenden Menschen ist ein schwieriges und emotionales Thema. Es gelte dennoch, sich dem zu stellen, betont CDU-Ratsherr Thomas Beck. Die CDA im Kreis Herford hatte deshalb für Donnerstagabend zum »Bürgerdialog« eingeladen.

Die Arbeitnehmervereinigung der CDU konnte Vertreter aus Medizin, Ehrenamt und Pflege zu einer Diskussion im Klinikum Herford begrüßen. Gemeinsam mit 30 anwesenden Bürgerinnen und Bürgern sprachen sie über die Versorgungssituation schwerstkranker und sterbender Menschen und die geplante Einrichtung eines Hospizes in Herford. Hilfe erhalten Sterbende und ihre Angehörigen von der Hospizbewegung Herford, erläuterte Koordinatorin Dr. Kerstin Volland. Die ehrenamtlich tätigen Mitarbeiter würden die Betroffenen begleiten, zuhause, in den Pflegeheimen oder auch in der Palliativstation des Klinikums. »Wir bieten mitmenschlichen Beistand. Wir sind einfach für sie da und entlasten so auch die Angehörigen.«

Diskutierten auf Einladung der CDA über die Versorgung sterbender Menschen im Kreis Herford (von links): Axel Hofsäß, Thomas Beck, Dr. Kerstin Volland, Dr. Stephan Bildat, Dr. Susanne Pfaffenholz und Michael Schönbeck. / Foto: Stefan Wolf

Chefarzt Dr. Stephan Bildat machte die Zuhörer mit den Aufgaben der Palliativstation des Klinikums vertraut. Dort lindere ein interdisziplinäres Team aus Ärzten, Pflegekräften und Physiotherapeuten die Schmerzen schwerstkranker Menschen. »Die Palliativstation ersetzt kein Hospiz«, stellte der Mediziner fest, der auch vor einer Versorgungslücke nach einer Entlassung der Patienten warnte. Ziel einer Palliativstation sei es, die Symptome der schwerstkranken Patienten so zu behandeln, dass sie wieder nach Hause oder in ihr Pflegeheim oder in ein Hospiz verlegt werden könnten, erläuterte Abteilungsleiter Axel Hofsäß.

Unterstützung bei der Versorgung sterbender Patienten bekommen Hausärzte im Kreis Herford durch den Palliativmedizinischen Konsiliardienst. Dieses Angebot des in Bünde, Rödinghausen und Kirchlengern aktiven Ärztenetzes MuM (Medizin und Mehr) stellte Dr. Susanne Pfaffenholz den Anwesenden vor. Die Hausärzte blieben Hauptansprechpartner ihrer Patienten, die im Konsiliardienst aktiven Palliativmediziner würden sie beraten und begleiten. Zu ihrem Angebot gehöre auch eine 24-Stunden-Bereitschaft.

»Die Kreispolitik hat die Notwendigkeit eines Hospizes erkannt«, sagte der Vorsitzende der CDU-Kreistagsfraktion, Michael Schönbeck. Landrat Jürgen Müller habe bereits im Juni 2018 die Gründung einer Stiftung zur Finanzierung einer solchen Einrichtung, die über zehn Plätze verfügen soll, in Auftrag gegeben. Der Kreistag habe im Haushalt 5,5 Millionen Euro für das Gebäude und seine Ausstattung vorgesehen. Ein möglicher Standort für das Hospiz sei das Haus Unter den Linden 41, wo sich aktuell noch die psychiatrische Tagesklinik des Klinikums befinde. Eröffnet werden könne das Hospiz voraussichtlich Ende 2021.

In der anschließenden Diskussion waren der akute Ärzte- und Pflegekräftemangel und die dafür verantwortlichen Gründe das beherrschende Thema. Hospize aber würde keinen Fachkräftemangel kennen, wie Axel Hofsäß erfahren konnte. »Denn dort können die Pflegekräfte ihren Beruf so ausüben, wie sie ihn gelernt haben.«

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